Carin Drechsler-Marx

Fotografin

1939 geboren in Straßburg/Elsaß

1960 bis 2024 lebt und arbeitet in New York, seit Herbst 2024 in Honolulu/Hawaii

 

Mehr als 60 Jahre hat die Fotografin Carin Drechsler-Marx in New York City gelebt und gearbeitet. Ihre Kindheit war geprägt von Flucht, Hunger und Inhaftierung in einem französischen Konzentrationslager. Bis zu ihrer Auswanderung in die USA wuchs sie mit drei Geschwistern und der alleinerziehenden Mutter in einem Weiler in Süddeutschland auf.

Von 1961-64 studierte sie Bildende Kunst an der School of Visual Arts, New York, absolvierte Kurse an der New School for Social Research und am International Center of Photography, New York und wandte sich ab 1971 professionell der Fotografie zu.

Heute sind die Arbeiten der Künstlerin in zahlreichen Sammlungen und Archiven vertreten, u.a. im Museum of Modern Art / PS 1, dem National 9/11 Memorial Museum und dem Museum of the City of New York. Eines ihrer letzten Aktuell setzt sie sich mit ihren familiären Wurzeln in Deutschland auseinander und arbeitet an einem Foto-Projekt über ihre Mutter.

Drechsler-Marx’ Lebenswerk bietet einen einzigartigen Einblick in das urbane Leben und die sozialen Strukturen New Yorks. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien der 1970-er und 80-er Jahre fangen in klarer Bildsprache die Janusköpfigkeit der Metropole zwischen verlockendem Glanz und Prozessen der Verelendung auf. Mit ihrer analogen Leica senkt die Fotografin ihren Blick tief in den Körper der Stadt, auch in den müden und zugleich agilen Körper der Bowery, wo „der Ozean immer vor der Tür tobt“[1]. Das konzeptuell-dokumentarische Langzeitprojekt über die als Slum verrufene "Bowery" war Drechsler-Marx’ erster großer unabhängiger Auftrag. Hier lässt sie Manhattans älteste und kürzeste Straße nicht nur als atmosphärisch dichten Schauplatz in Erscheinung treten, sondern macht die erlebte Erfahrung der Bewohner und die langen Schatten der Stigmatisierung zum zentralen Thema.

Mitte der 90-er Jahre hat sich die Fotokünstlerin in inzenierten Selbstporträts mit dem Tod ihres verstorbenen Mannes Henry Marx auseinandergesetzt. Dazu hat sie das Buch „Thinking of the Future“ publiziert, das im Herbst 2024 unter dem Titel „Sein Kreis hat sich geschlossen“, beim Duckalben-Verlag erschienen ist. Aktuell widmet sie sich den familiären Wurzeln in Deutschland und arbeitet an einem Foto-Projekt über ihre Mutter.

 



[1] Kate Millet im Vorwort zu Carin Drechsler-Marx, Bowery, Dortmund 1984, S. 9

Carin Drechsler-Marx