"Abstract", 1985

von John Yoga

Maler aus Uganda / Kenia

 

Acry/Lw, 122,5 x 56 cm

Holzrahmen (Keilrahmen), 126,5 x 60,8 cm

Provenienz: Gallery Watatu, Nairobi, Kenia 1986

Unverkäuflich

 

Moisha

„Die Sonne, die nach dem Feuertanz aufgeht“

 

Ma’amuni schaute in die Tautropfen, die sich in dem Auffangbecken über Nacht gesammelt hatten. Jeder einzelne funkelte in die Morgensonne.

In der letzten Morgenkühle hielt sie inne, stützte sich auf den Besen und bewunderte die tausend Sonnräder in den Tropfen. Sie verbanden sich zu einem Kunstwerk. Es konnten aber auch die Räder einer Maschine sein, die sie noch nicht kannte.

Sie hatte gelernt, die Tautropfen, kostbarer als die Diamanten in der Mine, aufzufangen und für den kommenden Durst des heißen Tages aufzubewahren. Ma’amuni hatte gelernt, dass diese Tropfen durch die abflauende und aufkeimende gelbe Scheibe am Himmel jede Nacht neu geboren wurden. Die Sonne gab Leben, aber ebenso erbarmungslos fraß sie es gierig, bis die ausgeblichenen Skelette der Antilopen drüben in der Wüste zu weißem Staub zerfielen. Und doch, immer wieder hauchte sie in der dürren Steppe Leben ein, wenn die Menschen und Tiere schliefen. Ma’amuni stellte den Besen an die Wand der Hütte und begann mit kehliger Stimme der Sonne ein Lied zu singen. Sie war sicher, das Lied verschmolz mit dem Rhythmus der Sonne, der Ma’amunis Tag bestimmte.

 

 

Die Geschichte von Katharina Weißbach-Hempel zu diesem Bild entstand während einer „gegenstandsgeleiteten Schreibaktion“ in den Räumen von Kunst Transit Berlin. Eine mitgebrachte Uhr leitete die Verfasserin des Textes zum Gemälde von John Yoga. Die Uhr als ein Objekt, das die Unterschiede von Zeit und Ort hervorhebt und zugleich überwindet. Die Autorin springt in eine andere Welt und nimmt das Kunstwerk zum Anlass, sich eine europäische Erzählung von Afrika “auszumalen“. Der Maler indes geht den Weg von der Fülle seiner Empfindungen und Erfahrungen zur nahezu abstrakten Darstellung, um zurück auf die Geisteswelt zu verweisen, die die afrikanische Wirklichkeit bis heute konstituiert.

"Abstract", 1985